Totensonntag

Am diesjährigen Totensonntag wurden die während der Bauarbeiten gefundenen und danach aufbewahrten Knochen im Rahmen einer kleinen Feierlichkeit wieder beigesetzt.

Die Menschlichkeit einer Kultur erweist sich nicht zuletzt im Umgang mit den Toten und ihren Orten, den Friedhöfen. Früher begruben die Spandauer ihre Toten auf dem Kirchhof rings um die St. Nikolai-Kirche, mitten in der Stadt, nah am Leben. Erst 1752 wurde ein Friedhof eingerichtet, wo heute der Koelzepark ist. Jetzt, fast 270 Jahre nach den letzten Beisetzungen, wurden bei den Bauarbeiten auf dem Reformationsplatz noch Knochen gefunden.

Niemand weiß genau, wessen Gebeine hier ruhen, aber: Sie waren Menschen wie wir, und sie wurden bestattet in der Hoffnung, einen Ort der Ruhe zu finden. Deshalb haben wir mit den Archäologen und Bauleuten entschieden, dass sie ihren Ort wieder hier, auf dem Reformationsplatz finden dürfen, neben Spandaus ältestem Denkmal für die Gefallenen der Befreiungskriege.

Die Mehrzahl der Gebeine wurde bereits mit kirchlichem Geleit beigesetzt, wir werden im Anschluss an den Gottesdienst einen kleinen Sarg mit Schädel und Knochen aus einer letzten Fundstelle beisetzen.

„Was wir gefunden haben auf diesem Platz – es ist nicht das eigentliche, nicht das Wesen der Person, nicht die Seele. Aber – es verbindet uns mit Ihnen,  auch wir sind Menschen mit Knochen und Schädel, auch wir leben und wirken in Spandau, und dieser Fund erinnert uns daran, dass auch wir einst sterben werden.  Wir wahren die Würde dieses Ortes, in dem wir wieder in die Erde geben, was aus der Erde genommen wurde.“

Pfarrer Björn Borrmann

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